PrEP

Stell dir vor, es gibt ein Wundermittel und niemand weiss davon. Eine Pille, so potent, dass sie dem lebensgefährlichen Monstervirus „HIV“ den Biss nimmt. Dieses Wundermittel gibt es und es nennt sich PrEP, kurz für «Prä-Expositionsprophylaxe».

Korrekt eingesetzt, schützt Prep als eine Art chemisches Kondom gernauso zuverlässig vor einer Ansteckung durch HIV, das Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids verursacht.

PrEP ist bisher so gut wie ausschliesslich in der Schwulenszene bekannt, dort wird es aber schon seit etwa zwei Jahren rege gebraucht.
Fragt man hingegen eine heterosexuelle Person, haben die meist keine Ahnung was „prep“ sein soll.

Neu ist das Medikament nicht, es gibt es schon seit 20 Jahren und ist unter dem Markennamen „Truvada“ bekannt.
Es wurde ursprünglich als Medikament für HIV-Positive Menschen entwickelt und wird dafür auch heute noch hauptsächlich verwendet – Bei der HIV Therapie ist es jedoch nur ein Teil eines grösseren Medikamentencocktails.

Später entdeckte man, dass man Truvada auch einsetzen kann um kurz nach einem Riskofall die Ansteckung von HIV zu verhindern. Diese Prozedur wird als Postexpositionsprophylaxe (PEP) bezeichnet, wirkt jedoch nur bis spätestens 24 Stunden nach einer möglichen Ansteckung.
Diese Methode wird schon seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt; eine bereits begonnene HIV-Infizierung lässt sich damit mit einer etwa 98-Prozentigen chance abwenden.

Vor etwa 5 Jahren fand man dann heraus, dass diese Therapie nicht nur erst nach einer Risiko-Situation genommen werden kann, sondern auch davor, so dass man sich gar nicht erst ansteckt. Diese Methode wird Prä-Expositions-Prophylaxe, oder kurz PrEP genannt.

Quelle: deutsche-apotheker-zeitung

Ein neues Wundermittel also, mit dem man zukünftig auf das ungeliebte Kondom verzichten kann? – Fast zumindest. Denn das ganze hatte einen grossen Haken und zwar der Preis, welcher Hersteller Gilead für Truvada verlangt: Satte 900.-(!) Franken kostet eine Monatspackung! Ein solch hoher Preis von über 10’000.- CHF im Jahr kann sich wohl fast niemand leisten und so war das Kondom immer noch das einzige Mittel.

Zwei Jahre später jedoch fing Ratiopharm, als erster Generika Hersteller, den Preis für das Truvada Generika massiv zu senken und zwar auf 60.- EUR pro Monatspackung. Damit ist seither die Therapie für die meisten Menschen erschwinglich und seit 2017 steigt auch die Bekanntheit Nachfrage in der Schweiz ständig an.

Ich selbst beobachtete die Situation gespant schon seit mehreren Jahren, gehöre ich doch auch zu den Männern, welche Sex ohne Kondom um ein vielfaches geiler finden. 😉

Doch ist bei mir die Angst vor einer HIV-Ansteckung zu gross, als das ich da einfach Risiken eingehen würde.
Und wenn ich es dann doch mal tat, hatte ich Wochenlang in Panik gelebt, ich hätte mich anstecken können.
Oft hatte ich dann nach zwei Wochen sogar einen PCR HIV-Test gemacht, um nicht die 3 Monate für einen normalen Antikörper HIV-Test zu warten (der PCR-Test ist ein extrem komplexes und daher entsprechend teures Verfahren um den HI-Virus zuverlässig nach zwei Wochen nachzuweisen, kostet jedoch run 200.- CHF).

Manchmal konnte ich auch meine Sexpartnerinnen überreden, dass sie sich testen liessen, so hatte ich immerhin die Gewissheit, dass sie zumindest vor 3 Monaten noch HIV-Negativ war.

Die seit September 2018 -überraschenderweise- plötzliche Erlaubnis HIV Schnelltests für Zuhause in der Schweiz kaufen zu können machte es schon ein bisschen leichter. Konnte ich doch die Frauen einfach schnell bei mir Zuhause testen. Romantisch war das zwar nicht gerade, aber immerhin relativ sicher um Sex ohne Kondom zu haben.

Nun habe ich mich entschieden ebenfalls auf PrEP zu setzen und nehme das Medikament seit letztem Freitag.

Zuvor hatte ich einen Termin beim Checkpoint Zürich gebucht, denn die PrEP-Therapie muss zwingend ärztlich begleitet werden.
Dort gibt es ein „Starterkit“, bestehend aus dem obligatorischen Gespräch mit einem Arzt, HIV-, Sypilis-, Hepatitis-C-, Chlamydien-, Nieren- und Leber- Tests für 365.- Franken. – Dies sind alles Bedingungen um eine PrEP überhaupt verschrieben zu bekommen, denn man muss dafür zwingend HIV-Negativ sein. Zudem muss man während man auf der PrEP ist alle drei Monate zum HIV-Test, sowie die Nieren- und Leberwerte testen lassen, was der Checkpoint ebenfalls für 185.- CHF anbietet.

Nach dem Gespräch wurde mir bewusst, wie Rückständig die Schweiz in gewissen Themen gegenüber der EU noch ist.

Das Gespräch mit der mir zugeteilten Ärztin war sehr locker, wir redeten auch über neben Themem wie HPV-Impfungen usw.

Sie teilte mir mit, dass das Risiko sich als Heterosexueller mit HIV anzustecken so klein sein, dass es sich eigentlich nicht lohne eine PrEP zu machen, auch bei gelegentlichem Sex ohne Kondom mit unbekannten.

Ehrlich gesagt halte ich dieser Ratschlag, welchen ich im übrigen auch schon von anderen Ärzten gehört habe, als verantwortungslos und fahrlässig.

Natürlich mag die statistische HIV-Ansteckungsrate bei heterosexuellen Menschen in der Schweiz mit ca. 200 Personen im Jahr und einer Wohnbevölkerung von über 7 Millionen als sehr klein erscheinen. Doch kann man in der Statistik nur die Fälle erfassen, welche sich auch testen lassen. Und ich hatte schon sehr viele Menschen kennen gelernt, welche einen scheiss auf HIV gaben und praktisch immer ohne Kondom Sex hatten und sich noch kein einziges Mal haben testen lassen! Einige Frauen davon hatte ich zu deren ersten HIV-Test überredet und den auch für Sie bezahlt. 😀
Dies ist die wirkliche Gefahr, die vielen Menschen, welche sich eben nicht testen lassen und somit gar nicht von einer möglichen HIV-Infektion wissen. Diese Personen tauchen in keiner Statistik auf (wie auch?).

Und zweitens, würde ich auch kein russiches Roulette spielen wenn im Revolver anstelle von 1 von 6, z.B. nur 1 von 600 Patronen „scharf“ wäre… Es ist immer eine Art „Negativ-Lotterie“, welche man, auch bei kleinen Chancen einfach nicht „gewinnen“ will.

Ich entschied mich dann dafür trotzdem an der PrEP festzuhalten und hielt so ca. eine Stunde später das Rezept für 3 Monatspackungen PrEP in den Händen. 😁

Dann bei der Apotheke wurde mir klar, warum die Schweiz in einschlägigen Foren in diesem, Gebiet immer als Rückständig bezeichnet wurde: Denn im Gegensatz zu Europa, wo Truvada-Generikas schon seit zwei Jahren zugelassen sind, ist in der Schweiz überhaupt kein Generika zugelassen! Man müsste also, so die Meinung der Schweizerischen Zulassungsstelle Swissmedic (welcher wohl unter druck der Pharma-Lobby steht) das Originalpäparat für 900.- CHF kaufen…

Glücklicherweise dürfen die Apotheken „im Einzelfall“ das Medikament aus Deutschland importieren (und verrechnen dazu aber eine extra Gebühr!) und man darf es mit dem Rezept auch selber im Ausland beschaffen, jedoch nur maximal eine Montaspackung aufs mal.

Auf Vorrat beschaffen dürften die Apotheken das Medikament somit nicht und es hat es in Zürich auch nur eine vorrätig und zwar die Apotheke am Schaffhauserplatz. Diese macht sich eine kleine Gesetzeslücke zunutze und zwar, dass man nicht direkt zugelassene Generika im Ausland beschaffen darf, wenn dies für eine bestimmte Patientengruppe (medizinisch) notwendig ist. Und da das Generika Laktosefrei ist, das Original jedoch nicht, kann man argumentieren, dass man es für die Patienten mit Laktose-Allergie benötige. 😉
Dort lässt sich das Generika am günstigsten Beziehen und zwar für 95.- CHF pro Monatspackung.

Die Schweiz ist zwar neben Grossbritannien das einzige Land in Europa, in dem man HIV-Schnelltests für Zuhause kaufen kann, dafür wird in der Schweiz als einziges Land in Europa die präventive Vorkehrung gegen HIV unnötig erschwert.

Wie soll ich denn das verstehen, etwa es ist ok, sich mit HIV anzustecken, wenn man es im Nachhinein selbst testen kann, aber nicht, wenn man verhindern will, dass man sich gar nicht erst ansteckt?! 🤔🤦‍♂️

Nichtsdestotrotz probiere ich die PrEP-Therapie nun ne Weile aus und halte euch auf dem laufenden. 😃

Wer sich selber weiter informieren will wird auf der Seite myprep.ch fündig.

Wie ich mich schütze bestimme ich selbst.

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